Bindungstrauma

Trauma (Schocktrauma)

Trauma ist ein großes Wort, mit dem in der Alltagssprache manchmal leider wenig sorgfältig umgegangen wird. In der Psychologie beschreibt es ein Ereignis, das als lebensbedrohlich wahrgenommen wurde wie z.B. eine Naturkatastrophe, ein Überfall, Folter, Vergewaltigung oder auch das Beobachten solcher Geschehen. Solche Erfahrungen können leicht ein Erleben von Überwältigung, Hilflosigkeit, tiefer Verzweiflung sowie Todesangst auslösen und Auslöser für eine Posttraumatische Belastungsstörung (PTBS) sein.

Was bei dieser Betrachtung oft ein wenig in den Hintergrund gerät ist, dass Menschen über unterschiedliche Bewältigungsmöglichkeiten verfügen und dass es nach einem traumatischen Ereignis maßgeblich auf die Nachbetreuung (professionell oder aber auch durch Familie und Freunde) ankommt, ob die Person eine sogenannte Posttraumatische Belastungsstörung entwickelt, oder nicht. Wird z.B. ein Ereignis im Nachgang von der Umwelt bagatellisiert und eine Person nicht mitfühlend aufgefangen, wächst die Wahrscheinlichkeit, dass sich nach einem Schockerleben eine längerfristige PTBS entwickelt.

 

Bindungstrauma

Etwas anders wird die Perspektive, wenn wir über Kinder reden! Der Mensch kommt unglaublich verletzlich zur Welt und ist auf Bindung angewiesen um zu überleben. Ohne eine erwachsene Betreuungsperson würde ein Säugling kaum ein paar Stunden überstehen. Für kleine Kinder sind also das Gefühl von Sicherheit und Nähe zu einer Bezugsperson fast identisch, erst später kommt das Grundbedürfnis nach Autonomie dazu (ab etwa 2 Jahren). Da Kinder so abhängig und ausgeliefert sind, ist eine belastbare Bindung zu den Bezugsperson essentiell und sollte größtmögliche Sicherheit vermitteln (nach dem Motto: „Egal was du machst, ich lasse dich nicht fallen“). Hierbei geht es nicht um Perfektion – die Wissenschaft spricht von „genügend guten Eltern“. 

Sind Bezugspersonen selber stark belastet, hängen sie mittlerweile altmodischen Erziehungsidealen an wie z.B. „Man muss das Kind zur Selbstständigkeit erziehen/abhärten“ oder gibt es externe Faktoren wie z.B. plötzliche Trennung oder Tod, kann sich das Kind existentiell bedroht fühlen. Wichtig: Solche Bedingungen können für die Außenwelt und sogar für die Betroffenen völlig unsichtbar sein. Diese Kinder werden selten auffällig sondern eher still und überangepasst um das Familiensystem zu stützen – von dem sie ja abhängig sind. Diese ‚Überlebensstrategien‘ sind für diese Lebensphase oft wichtig, haben langfristig jedoch hohe Kosten (z.B. als Kind: eigene Bedürfnisse zurückstellen, weil zu belastend für Familie – als erwachsene Person kaum noch Bezug zu den eigenen Bedürfnissen haben und langfristig ausbrennen, depressiv werden, Ängste entwickeln). Musste ein Kind in einen ‚Überlebensmodus‘ wechseln, konnte es sich nicht ausprobieren, Grenzen testen, sich selber kennen lernen weil es sich existentiell bedroht fühlte, nennen wir das Entwicklungs- und Bindungstrauma.

Folgen können sein: Depressionen, Ängste, starke Gefühle von Schuld und Scham, oft extrem niedriges und/oder instabiles Selbstwertgefühl, Perfektionismus und Leistungszwang, Probleme mit Nähe und Distanz (Bindungsstörungen), Probleme mit Grenzen (eigenen und die anderer), Zwänge, Essstörungen und ähnliches. Ganz klassisch sind außerdem Reaktionen auf 'unsichtbare' Auslöser, die bewirken, dass ansonsten funktionale Personen plötzlich und scheinbar 'ohne Grund' unter starken Symptomen leiden wie Panik, extreme Scham sowie sich völlig macht- und ausgeliefert fühlen, sogenannte emotionale Flashbacks.

Die wenigsten Menschen, wissen selber um ihre frühen Überlebensstrategien oder um den Begriff Bindungstrauma. In den letzten 10 Jahren meiner Niederlassung habe ich die Erfahrung gemacht, dass die meisten Menschen, die psychotherapeutische Unterstützung suchen, eine solche Vorerfahrung mitbringen. Das wird auch durch KollegInnen bestätigt. Es kann sehr erleichternd sein, die eigenen Symptome nicht nur als Schwäche zu sehen, sondern als starke Überlebensstrategien einzuordnen, die mittlerweile (als erwachsene Person) ein Glück etwas aus der Zeit gefallen sind. Eine solche Sicht ist oft der erste Schritt in Richtung Selbstmitgefühl, das die beste Basis für die weitere Arbeit ist.

Wichtig: Es geht hier mitnichten darum Eltern zu beschuldigen oder sich selber aus der Verantwortung zu stehlen. Eltern sind lediglich Menschen mit Stärken und Schwächen. Wenn wir erwachsen werden, tragen wir selber Verantwortung für unser Leben – wir sollten jedoch eigene Wunden ernst nehmen und versorgen, damit wir unser Erwachsenenleben möglichst erfüllt leben können.

Psychotherapiepraxis Marie-Anna Uhl, Edmund-Schiefeling Platz 13, 51766 Engelskirchen

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